Freitag, 16. Juni 2017

Hanois Eigenheiten

Nach einiger Abstinenz folgen nun weitere Eindrücke aus dem Leben in Hanoi. Gut die Hälfte der Zeit ist nun schon vorüber, ein guter Zeitpunkt also, um ein paar Hanoi-typische Beobachtungen festzuhalten. 

Fahrräder und Motorräder als LKW-Ersatz 
Auf den zweirädrigen Gefährten werden die dollsten Sachen transportiert. Von Blumen, Gasbehältern, mittelgroßen Bäumen, Lieferungen für den Einzelhandel bis hin zu Schweinen, Hühnern und Autoersatzteilen ist mir schon alles begegnet. Während die Motorräder häufig zum Transport auf weiteren Strecken eingesetzt werden, dienen Fahrräder eher dem Direktvertrieb in dem Gewirr der kleinen Gassen. Die Waren werden dann durch lautes Rufen und Klingeln angepriesen. Um ihre Stimme zu schonen, spielen einige Fahrradhändler ihr Angebot von einem Band ab. Typisch sind zum Beispiel Schuhputzende, Blumenverkaufende, Menschen die Snacks loswerden wollen oder einen Reparaturservice anbieten. 





Müllabfuhr
Das Müllabfuhrsystem funktioniert ausgezeichnet und beeindruckt mich nach wie vor. Jeden Nachmittag kann man den eigenen Müll vor das Haus stellen, der dann von engagierten Arbeitern eingesammelt wird. Meistens schieben Frauen in blauen Overalls die riesen, vierrädrigen Schubkarren durch die schmalen Gassen und stapeln die Säcke darin. Ein lautes Klingeln kündigt ihr Auftauchen an. An zentralen Punkten werden die Container dann auf einen LKW umgeladen. Mülltrennung gibt es allerdings nicht. 


Sperrstunde
In der Altstadt gibt es noch immer eine Sperrstunde, um dem Spaß in den sogenannten Bia Hois Einhalt zu gebieten. Die Exekution dieser ist allerdings ein lustiges Unterfangen. Olivfarbende Mini-LKWs mit Plane bahnen sich irgendwann nach Mitternacht ihren Weg durch die Gassen der Altstadt. Ab und an tauchen Polizisten oder Militärs unter der Plane hervor und scheuchen die Leute von der Straße. Der Einsatz eines Megafons ist ebenfalls sehr beliebt um die Angelegenheit zu beschleunigen. Einige Bars dürfen bei geschlossenen Türen weiter ausschenken und das bei Expats beliebte Viertel im Norden der Stadt ist sowieso nicht betroffen. Dort gelten andere Regeln. 

Frühsport
Leider ist es mir noch nicht gelungen, das rege Treiben der frühen Morgenstunden fotografisch festzuhalten. (Was wohl daran liegt, dass die Morgenstunden für mich bisher eher das Ende der Nacht als der Beginn des Tages waren- am Wochenende jedenfalls..) Bewegt man sich gegen 5 Uhr um den großen Westlake mit seiner Uferpromenade, kann man wunderbar den Vietnamesen bei ihrem morgendlichen Workout zuschauen. Menschen strampeln auf Mountainbikes und Rennrädern die noch recht leeren Straßen entlang oder machen Tai Chi mit Blick auf das Wasser und die sich langsam erhebende Sonne. Auch Aerobic steht hoch im Kurs. Mit lauter Musik folgen zwischen 30 und 40 Vietnamesinnen den Schrittfolgen der Instrukteurin, die etwas erhöht auf einem schwarzen Kasten steht. Das Kuriose daran, die meisten sportlichen Aktivitäten werden in bunten Schlafanzügen ausgeführt.



Badminton 
Badminton ist so etwas wie der Volkssport und wird besonders gerne am Nachmittag oder in den frühen Abendstunden gespielt. Wenn man die Stadt ein bisschen besser kennt, kann man die Spielflächen schnell identifizieren, auch wenn diese gerade nicht genutzt werden. Das Netz wird meistens einfach zwischen Bäumen aufgespannt, manchmal finden sich sogar Spielfeldmarkierungen auf dem Boden. Besonders beliebt sind die etwas breiteren Gehwege der Straßen die in Richtung Altstadt führen. Hier bieten die Allee-Bäume zusätzlichen Schatten und machen die Luft etwas frischer als anderswo. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen