Sonntag, 9. April 2017

Vietnams kulinarische Vielfalt.  

Die vietnamesische Küche ist wunderbar. Gegessen wird meist draußen. Entweder direkt vor dem eigenen Geschäft mithilfe eines kleinen Mini-Kochers oder in einem der vielen Straßenlokale mit ihren Miniatur-Schemeln, auf denen sich mein europäischer Hintern immer schwer tut. Die Lokale sind in der Regel auf ein oder maximal zwei Gerichte spezialisiert, daher muss man sich schon vorher überlegen, welchen Laden man aufsucht. Ohne Sprachkenntnisse macht die geringe Auswahl die Bestellung allerdings deutlich leichter. Anders als in der Thai-Küche oder in Kambodscha, ist alles mehr auf „Do-it-yourself“-Basis. Die verschiedenen Gerichte werden häufig in ihren einzelnen Bestandteilen serviert, sodass man sich nach Belieben die Zutaten zusammenmischen kann. Essentiell sind Reisnudeln, frische Kräuter – häufig Koriander, Minze und Salat- und ein Sud. Hier ein kleiner erster Überblick.

1. Bun Cha

Bun Cha ist eines meiner Lieblingsgerichte und eine Spezialität in Hanoi. Es handelt sich um kleine, über dem Feuer gegrillte Schweinefleisch-Frikadellen, die meist mit Schnittlauch und einer Soße direkt gewürzt werden, bevor sie in einer Fischsoßen-Brühe serviert werden. Dazu gibt es Minze, Koriander und Salat sowie Reisnudeln. Die einzelnen Bestandteile werden dann nach und nach in die Brühe gegeben und gegessen. Häufig isst man eine Frühlingsrolle dazu. Das frittierte Reispapier ist ebenfalls mit Schweinefleisch gefüllt, häufig auch mit Shrimp und weiterem Gemüse. Das bisher beste Bun Cha habe ich in einem kleinen Streetfood-Laden nur 200m von der Arbeit entfernt gegessen.
 










2. Nem Lui

Nem Lui sind Hack-Spieße, die ebenfalls direkt über dem Feuer gegrillt werden. Die Spieße werden dann mit einer Schere vom Holzstab geschnitten und zusammen mit Kräutern, Salat, Kochbanane und Gurke in ein Reispapier gewickelt. Die Rolle wird anschließend in verschiedene Soßen gedippt und direkt mit der Hand gegessen. Es gibt zwei typische Soßen: Zum einen die Chilli-Soße, die aus Fischsoße, Zitronensaft, frischen Chillis und Knoblauch besteht und zum anderen eine Art fermentierte Soja-Soße.
 











3. Banh Xeo

Banh Xeo ist ein Reismehl-Pfannkuchen, der frittiert wird. Der Pfannkuchen ist gefüllt mit Schweinefleisch, Shrimp und Gemüse und wird meist im Ganzen serviert. Wiederum kommt eine Schere zum Einsatz, um den Pfannkuchen in kleine Stücke zu teilen und anschließend mit weiterem Gemüse und Kräutern in ein Reispapier zu wickeln. Den Wrap dippt man wiederum in die oben genannten Soßen. Banh Xeo und Nem Lui gibt es oft in einem Lokal. 


















4. Pho

Pho ist neben den Sommerrollen der Exportschlager der vietnamesischen Küche. Die geschmacksintensive Rinderbrühe wird mit dickeren Reisnudeln und Rindfleisch (traditionell) serviert. Dazu gibt es wieder frische Kräuter. Die nordvietnamesische Pho ist weniger würzig als die südvietnamesische Variante, die auch bei uns bekannt ist. Pho ist hier in Hanoi DAS Frühstück und sobald man morgens das Haus verlässt, ist man umhüllt vom Suppen-Dunst.

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Dienstag, 4. April 2017

Hanois Häusermarkt



Die Suche nach einer längerfristigen Bleibe war eine wahre Odyssee. Zum einen muss man erst einmal den Häusermarkt sondieren und gucken was geht. Oder was eben nicht geht. Stadtplanung in Hanoi ist quasi nicht existent: Einst große Straßen sind mit der Zeit immer kleiner geworden. Neue Häuser wurden direkt nebeneinander gebaut, sodass der Ausblick aus einigen Fenstern jetzt mehr ein Einblick in das Leben der Nachbarn ist. Oft sieht man in den Häusern noch den französischen Einfluss: Fenster mit hübschen Gittern, hohe Decken und Stuck. Durch die dichte Bebauung allerdings oft ziemlich dunkel. Auf der unteren Etage werden in der Regel die Motorräder geparkt, oft gibt es auch noch eine Art Wohnzimmer mit angrenzender, offener Küche. Licht kommt in diese Ebene nur durch die großen Flügeltüren, die meist nach außen hin noch zusätzlich mit einem Gitter versehen sind. Höhe zählt in Hanoi definitiv mehr als Breite: Die Häuser sind meist drei- oder viergeschossig. Entsprechend viele Bewohner gibt es dann in einem Haus. Oft haben die einzelnen Zimmer direkt Zugang zu einem eigenen Badezimmer. Ganz oben befindet sich eine Dachterrasse, auf der die Sonne genossen oder die Wäsche getrocknet werden kann.
In den letzten Wochen habe ich wirklich viele Varianten gesehen. Apartments, die noch halb im Bauzustand waren, Zimmer mit rundum gold-gemusterter Tapete, Räume dunkel wie eine Maulwurfshöhle. Dann aber auch wirklich riesige Stadthäuser, mit wunderschönem dunkelbraunen Holzboden und entsprechendem Interieur, wo selbst die Küche ein Fenster hat. Viele Anekdoten lassen sich auch über die „Makler“ erzählen. Die Rolle dieser ist mir bis heute schleierhaft. Teilweise standen sie auf der Seite der Mieter und versuchten mit allen Mitteln bessere Konditionen auszuhandeln- dann wiederum diskutierten sie zwar engagiert mit dem Vermieter, stellten aber nach wenigen Minuten resigniert fest: „we have failed the negotiations“.

Nachdem ich erst mit anderen Menschen zusammen auf der Suche nach einem ganzen Haus war, bin ich nun doch ohne die Anderen in einem einzelnen Zimmer gelandet. Es ist in einem Haus, welches in einer dieser wirren Gassen steht. Das Haus hat zwei Adressen, je nach dem von welcher der großen Straßen man in das Gassendickicht abbiegt. Ohne Hilfe wäre ich hier nie angekommen! Folglich entspricht das Haus auf der unteren Etage eher der dunklen Kategorie. Die Gegend ist dafür prima und die vier anderen Mitbewohner auch. Auf der Dachterrasse gibt es Hängematten und Blumen und man hat einen fantastischen Blick über die Stadt- das gleicht alles andere wieder aus. Ein Fenster hat mein Zimmer zwar auch, der Ausblick fehlt allerdings.