Die Suche nach einer längerfristigen Bleibe war eine
wahre Odyssee. Zum einen muss man erst einmal den Häusermarkt sondieren und gucken was geht. Oder was eben nicht geht. Stadtplanung in Hanoi ist quasi nicht existent: Einst große
Straßen sind mit der Zeit immer kleiner geworden. Neue Häuser wurden direkt
nebeneinander gebaut, sodass der Ausblick aus einigen Fenstern jetzt mehr ein
Einblick in das Leben der Nachbarn ist. Oft sieht man in den Häusern noch den
französischen Einfluss: Fenster mit hübschen Gittern, hohe Decken und Stuck.
Durch die dichte Bebauung allerdings oft ziemlich dunkel. Auf der unteren Etage
werden in der Regel die Motorräder geparkt, oft gibt es auch noch eine Art
Wohnzimmer mit angrenzender, offener Küche. Licht kommt in diese Ebene nur
durch die großen Flügeltüren, die meist nach außen hin noch zusätzlich mit
einem Gitter versehen sind. Höhe zählt in Hanoi definitiv mehr als Breite: Die
Häuser sind meist drei- oder viergeschossig. Entsprechend viele Bewohner gibt
es dann in einem Haus. Oft haben die einzelnen Zimmer direkt Zugang zu einem
eigenen Badezimmer. Ganz oben befindet sich eine Dachterrasse, auf der die
Sonne genossen oder die Wäsche getrocknet werden kann.
In den letzten Wochen habe ich wirklich viele Varianten
gesehen. Apartments, die noch halb im Bauzustand waren, Zimmer mit rundum
gold-gemusterter Tapete, Räume dunkel wie eine Maulwurfshöhle. Dann aber auch
wirklich riesige Stadthäuser, mit wunderschönem dunkelbraunen Holzboden und
entsprechendem Interieur, wo selbst die Küche ein Fenster hat. Viele Anekdoten lassen sich auch über die „Makler“ erzählen.
Die Rolle dieser ist mir bis heute schleierhaft. Teilweise standen sie auf der
Seite der Mieter und versuchten mit allen Mitteln bessere Konditionen auszuhandeln-
dann wiederum diskutierten sie zwar engagiert mit dem Vermieter, stellten aber
nach wenigen Minuten resigniert fest: „we have failed the negotiations“.
Nachdem ich erst mit anderen Menschen zusammen auf der Suche
nach einem ganzen Haus war, bin ich nun doch ohne die Anderen in einem einzelnen Zimmer
gelandet. Es ist in einem Haus, welches in einer dieser wirren Gassen steht. Das Haus hat zwei Adressen, je nach dem von welcher der großen Straßen man in das Gassendickicht abbiegt. Ohne Hilfe wäre ich hier nie angekommen! Folglich entspricht das Haus auf der unteren Etage eher der dunklen Kategorie. Die Gegend ist
dafür prima und die vier anderen Mitbewohner auch. Auf der Dachterrasse gibt es
Hängematten und Blumen und man hat einen fantastischen Blick über die Stadt- das gleicht alles andere wieder aus.
Ein Fenster hat mein Zimmer zwar auch, der Ausblick fehlt allerdings.

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