Dienstag, 4. April 2017

Hanois Häusermarkt



Die Suche nach einer längerfristigen Bleibe war eine wahre Odyssee. Zum einen muss man erst einmal den Häusermarkt sondieren und gucken was geht. Oder was eben nicht geht. Stadtplanung in Hanoi ist quasi nicht existent: Einst große Straßen sind mit der Zeit immer kleiner geworden. Neue Häuser wurden direkt nebeneinander gebaut, sodass der Ausblick aus einigen Fenstern jetzt mehr ein Einblick in das Leben der Nachbarn ist. Oft sieht man in den Häusern noch den französischen Einfluss: Fenster mit hübschen Gittern, hohe Decken und Stuck. Durch die dichte Bebauung allerdings oft ziemlich dunkel. Auf der unteren Etage werden in der Regel die Motorräder geparkt, oft gibt es auch noch eine Art Wohnzimmer mit angrenzender, offener Küche. Licht kommt in diese Ebene nur durch die großen Flügeltüren, die meist nach außen hin noch zusätzlich mit einem Gitter versehen sind. Höhe zählt in Hanoi definitiv mehr als Breite: Die Häuser sind meist drei- oder viergeschossig. Entsprechend viele Bewohner gibt es dann in einem Haus. Oft haben die einzelnen Zimmer direkt Zugang zu einem eigenen Badezimmer. Ganz oben befindet sich eine Dachterrasse, auf der die Sonne genossen oder die Wäsche getrocknet werden kann.
In den letzten Wochen habe ich wirklich viele Varianten gesehen. Apartments, die noch halb im Bauzustand waren, Zimmer mit rundum gold-gemusterter Tapete, Räume dunkel wie eine Maulwurfshöhle. Dann aber auch wirklich riesige Stadthäuser, mit wunderschönem dunkelbraunen Holzboden und entsprechendem Interieur, wo selbst die Küche ein Fenster hat. Viele Anekdoten lassen sich auch über die „Makler“ erzählen. Die Rolle dieser ist mir bis heute schleierhaft. Teilweise standen sie auf der Seite der Mieter und versuchten mit allen Mitteln bessere Konditionen auszuhandeln- dann wiederum diskutierten sie zwar engagiert mit dem Vermieter, stellten aber nach wenigen Minuten resigniert fest: „we have failed the negotiations“.

Nachdem ich erst mit anderen Menschen zusammen auf der Suche nach einem ganzen Haus war, bin ich nun doch ohne die Anderen in einem einzelnen Zimmer gelandet. Es ist in einem Haus, welches in einer dieser wirren Gassen steht. Das Haus hat zwei Adressen, je nach dem von welcher der großen Straßen man in das Gassendickicht abbiegt. Ohne Hilfe wäre ich hier nie angekommen! Folglich entspricht das Haus auf der unteren Etage eher der dunklen Kategorie. Die Gegend ist dafür prima und die vier anderen Mitbewohner auch. Auf der Dachterrasse gibt es Hängematten und Blumen und man hat einen fantastischen Blick über die Stadt- das gleicht alles andere wieder aus. Ein Fenster hat mein Zimmer zwar auch, der Ausblick fehlt allerdings.


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