„Morning, Sir“- grüßt mich der Sicherheitsmensch vor meinem
Apartment nun seit 7 Tagen jeden Morgen mit Inbrunst. Dazu hebt er grüßend die
Hand. Der Scheitel sitzt akkurat. Fehlt nur noch, dass er auch die Hacken
zusammen schlägt.
Da bin ich nun. In Hanoi. Mit weniger als einem halben Jahr
Vorbereitungszeit, von dem ich wiederum nur die letzten Tage vor der Abreise
real zur Vorbereitung nutzte, gibt es nun selbstverständlich Dinge, die mich
hier wirklich überraschen.
Als erstes die Taxi-Preise. Die Bangkok-Erfahrung im letzten
Herbst lehrte mich: Suche ein Taxi mit Taxameter. Doch diese Herangehensweise
erweist sich hier als nicht ausreichend, um überteuerte Touristen-Preise zu
vermeiden. Die meisten Taxis haben manipulierte Taxameter, deren Preise sich im
Sekundentakt exponentiell erhöhen. Noch am ersten Abend fiel ich der Masche zum
Opfer. Meine mangelnde Kenntnis über den Wert des Dong im Vergleich zum Euro
und die vielen Nullen auf den Scheinen trugen zeitgleich zur Verwirrung bei.
Diese Erfahrung lehrte mich und mit dem (zugegebenermaßen sehr komplizierten)
Erwerb einer vietnamesischen Sim-Karte inklusive mobilem Internet bin ich auf
den Motorrad-Taxi-Service von Uber und Grab umgestiegen. Die Apps zeigen
bereits vorher den Preis der gewünschten Strecke und schützen so Menschen vor
Abzocke: Vier Kilometer Fahrt kriegt man schon für einen Euro. Hinten auf einem
Motorroller ist man sowieso auch viel näher dran am Leben in der Stadt, den
Gerüchen, dem Trubel und den Abgasen.
Die Abgase sind die zweite Überraschung. Nicht die Abgase an
sich, sondern eher die konzentrierte Form, die über der ganzen Stadt hängt wie
eine riesige gelb-braune Wolke. Was ich anfangs noch für Nebel und Wolken
hielt, stellte sich schnell als das heraus, was es tatsächlich ist: SMOG. Zwar
liegen die Index-Werte für Hanoi noch weit unter denen Pekings, trotzdem
handelt es sich mittlerweile um ein gravierendes Problem, wie man der Presse
entnehmen kann. Die Schwere der Luftverschmutzung variiert allerdings von Tag
zu Tag: Während ich gestern nicht einmal die ersten zwanzig Stockwerke des
Lotte Centers (meines künftigen Arbeitsplatzes) erahnen konnte, war heute sogar
die Spitze erkennbar.

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